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Wechselvolle Erdgeschichte
Wenn man heute durch die Wälder und Weinberge am Kaiserstuhl wandert, so fällt es schwer, sich die dramatischen Ereignisse vorzustellen, welche zur Entstehung des kleinen Inselgebirges im südlichen Oberreingraben geführt haben. Eine wirklich lange Geschichte ist es, die man dazu erzählen könnte, denn angefangen hat alles schon im Tertiär vor rund 60 Millionen Jahren. Damals begann die Absenkung des heutigen Oberrheingrabens zwischen Schwarzwald und Vogesen. Die absinkende, zukünftige Oberrheinebene zerbrach dabei in mehrere Schollen. Sichtbare Reste davon sind heute unter anderem die Hügel des Markgräflerlandes, der Tuniberg sowie der östliche Teil des Kaiserstuhls. Die gleichzeitige Anhebung der begrenzenden Gebirge hatte gleichzeitig eine verstärkte Abtragung zur Folge, und so wurde innerhalb der letzten gut 45 Millionen Jahre die gewaltige Menge von 19.000 Kubikkilometern Gesteinsmaterial in Form von Sand, Kies und Geröll im Oberrheingraben abgelagert. Die Absenkung und gleichzeitige Auffüllung des Oberrheingrabens ist im übrigen kein Vorgang, der vor Urzeiten abgeschlossen wurde. Noch heute senkt er sich jährlich um 0, 1 bis 1 Millimeter ab. L eichte Erdbeben mit Epizentren an den Bruchlinien zeigen uns, dass die Erdkruste sich in permanenter Bewegung befindet. An den Spalten des Grabenbruchs konnte glutflüssiges Magma aus dem Erdinnern aufsteigen, und so begann vor zirka 15 Millionen Jahren der Kaiserstuhlvulkan zu wachsen. Über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren entstand ein Vulkanberg, der die damalige Oberrheinebene um mehr als tausend Meter überragt haben dürfte. Betrachtet man seine heutige Form, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich beim Kaiserstuhl um einen riesigen, nach Westen hin offenen Krater handeln könnte. Tatsächlich aber lassen sich die Krater des alten Vulkangebiets heute nicht mehr nachweisen. Die sichtbare Vulkanruine erlaubt keine Rekonstruktion der ursprünglichen Form mehr. Große Teile der zutage tretenden Gesteine sind subvulkanischer Natur, was nichts anderes bedeutet, als dass sie noch im Innern des Vulkans steckengeblieben und erhärtet sind. Erst die Kräfte der Erosion, die über lange Zeit den Kaiserstuhl auf das heute sichtbare Maß abhobelten, brachten die teilweise außergewöhnlichen Gesteine ans Tageslicht. An verschiedenen Stellen, so am nordwestlich des Hauptmassivs gelegenen Limberg oder dem im Zentrum aufragenden Kegel des Badberges, wird die vulkanische Vergangenheit heute im Rahmen von Lehrpfaden beispielhaft interessant und verständlich erläutert. Die verschiedenen Steinbrüche am Limberg erlauben die wohl eindrucksvollsten Einblicke in die frühe Entstehungsgeschichte des Kaiserstuhls. Hier ließ sich auch die jüngste vulkanische Aktivität nachweisen, die ungefähr fünf bis sechs Millionen Jahre, bis ins obere Miozän, zurückreicht.
© Text und Bild Dr. Hans-Peter Schaub |
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