|
Vom Winde verweht - Löß bedeckt den alten Vulkan
Im ausgehenden Tertiär, vor sechs bis knapp zwei Millionen Jahren, wurde das Kaiserstuhl-Skelett in die gegenwärtige Form gebracht, die wir dennoch nur erahnen können. Der Begriff „Skelett“ ist dabei durchaus zutreffend, denn das „Fleisch“ des Gebirges überdeckt die vulkanischen Gesteine in einer Mächtigkeit von bis zu dreißig Metern auf gut 80 Prozent der Gesamtfläche. Dieses „Fleisch“ ist der Löß, ein in den Eiszeiten, beginnend vor etwa einer Million Jahren herangewehtes Sediment. Nordeuropa war damals bis zum Nordosten Deutschlands von einer mächtigen Eiskappe überzogen. Im Süden waren die Alpen vollständig vergletschert. Zwischen den Alpengletschern und der nordeuropäischen Vereisungszone erstreckte sich eine relativ gleichförmige Kältesteppe. Über den Alpengletschern kühlte sich die Luft stark ab. Aus dem sich dabei entwickelnden, stabilen Hochdruckgebiet entstanden Winde, die unter anderem nach Norden in das nahezu vegetationsfreie, von Geröll und Flussschotter angefüllte Rheintal bliesen. Dabei nahmen sie feinstes Gesteinsmehl mit, das sich in den teilweise ausgetrockneten Flussbetten befand. Die Hügel des Markgräflerlandes, die Vorberge des Schwarzwaldes, der Tuniberg und vor allem der Kaiserstuhl bildeten Hindernisse im Windstrom. Der feine Staub fing sich an diesen Felsinseln, wurde abgelagert, an den windabgewandten, nordöstlichen Stellen stärker als an den Wind zugewandten. |
|
|
 |
Der Begriff ,.Löß" wurde bereits 1823 vom deutschen Geologen K. C. von Leonhardt (1779- 1862) geprägt und leitet sich vermutlich vom alemannischen ,,Lösch“ für locker ab. Löß ist ein Lockergestein, das zwar sehr anfällig für Erosion ist, sich dennoch durch hohe Standfestigkeit auszeichnet. So wurde im Laufe der Zeit ein beträchtlicher Teil des angewehten Lösses in die Täler abgeschwemmt und diese mit mehrere Meter mächtigen Schwemmlößschichten aufgefüllt. Nach und nach bedeckte ein Lößmantel das ursprünglich schroffe, scharf gezackte Vulkangebirge und nivellierte die Einschnitte. Für die Standfestigkeit ist im wesentlichen der hohe Kalkanteil verantwortlich, der die Quarzpartikel verkittet. Wird diese Feinstruktur aufgebrochen, so verändert der Löß seine Eigenschaften grundlegend. Ungestörter Löß hält in seinen haarfeinen Zwischenräumen Wasser wie ein Schwamm, eine Eigenschaft, die für Pflanzen von elementarer Bedeutung ist. Wird Löß durch Bearbeitung zerkrümelt, so erlangt er seine ursprünglichen Eigenschaften wie hohe Standfestigkeit, Härte und Wasserhaltevermögen nicht mehr ohne weiteres wieder. Gestörter Löß ist in hohem Maße erosionsanfällig. Die berühmten Lößhohlwege sind beredtes Zeugnis dieser Eigenheit.
© Text und Bild Dr. Hans-Peter Schaub |
|
|