Wein/Sekt


Unzählige von Reben bestandene Terrassen schmiegen sich wie grüne Bänder an die Hänge des von einer mächtigen Lössdecke überzogenen, einstigen Vulkans. Sie zeugen von einer über Jahrhunderte gewachsene Weinkultur, die den klimatisch so begünstigten Kaiserstuhl heute zu einer der herausragenden Weinbau-Regionen Deutschlands macht. Nur an wenigen Stellen, wie zum Beispiel in Vogtsburg-Achkarren oder bei Ihringen, kommt das vulkanische Grundgestein noch zum Vorschein. Auf die Qualität der edlen Tropfen hat der mineralstoffreiche, einst glühend heiße Untergrund gleichwohl nach wie vor einen äußerst positiven Einfluss. In den zahlreichen Winzergenossenschaften, Weingütern und offenen Weinkellern werden Besucher herzlich willkommen geheißen. Hier erfahren Sie viel Wissenswertes über die Kaiserstühler Weine, können in aller Ruhe probieren, vergleichen und natürlich auch einkaufen.
Wein und Sekt am Kaiserstuhl
Kurze Kulturgeschichte des Weins

Die Gattung Vitis, zu der unsere Weinrebe ( Vitis vinifera ) gehört, lässt sich erdgeschichtlich bis an die Wende vom Jura zum Tertiär zurückverfolgen. Das sind 65 Millionen Jahre. Im mittleren Tertiär besiedelten vierzig, heute meist ausgestorbene und nur in versteinerten Blattabdrücken und Samen erhaltene Rebarten weit ausgedehntere Gebiete, als die heutige Kulturrebe. Im Jungtertiär, vor 25 Millionen Jahren, rankte die Europäische Wildrebe ( Vitis silvestris ), Vorfahrin unserer Kulturrebe, in den feuchtwarmen Auenwäldern vielerorts in Europa bis in die Wipfel von Mammutbäumen und Sumpfzypressen und trug im Lichte der Kronen kleine, herbe, blauschwarze Trauben.
In der Eiszeit wurde die Rebe in die eisfreien Mittelmeerländer und den Orient zurückgedrängt. In der nacheiszeitlichen Wärmezeit, vor rund 7.000 Jahren, wanderte sie nach Westen und Norden zurück und gelangte durch die Flusstäler von Rhone, Rhein und Donau zu uns. Bereits unsere jungsteinzeitlichen Vorfahren in der Region nahmen die Weinrebe als Kulturpflanze in ihre Obhut. In prähistorischen Pfahlbauschichten, wie am Neuenburger See im Schweizer Jura, hat man Massen von Edelrebkernen gefunden, die auf Pressrückstände von Trauben schließen lassen.
Vorderasien gilt jedoch als eigentliche Wiege der Weinkultur. Unser Weinstock stammt aus den weiten Gebieten zwischen Kaspischem Meer, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und dem Persischem Golf, der Heimat zahlreicher anderer Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste, Hirse, Hülsenfrüchten und verschiedenen Obstarten. Durch den Landwirtschaft betreibenden Menschen breitete sich die Weinrebe innerhalb von rund 10.000 Jahren zusammen mit dem Ackerbau zwischen dem 30. und 52 Breitengrat über die nördliche Erdhalbkugel aus. Eine fortlaufende Weinzone erstreckt sich vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean, von Spanien und Marokko bis nach Zentralasien und Kaschmir über die alte Welt. Die Unterart Vitis vinifera ssp. sativa , die Europäische Kultur- oder Edelrebe, bildet heute die Basis des modernen Weinbaus.

Das ursprüngliche und wesentlichere Traubenerzeugnis war jedoch zunächst nicht der Wein, sondern der aus dem Beerenfleisch eingekochte Dicksaft oder Traubensirup. Er diente als kräftigende Nahrung und war neben dem mengenmäßig unbedeutenden Wildhonig der Stoff zum Süßen der Speisen, somit der Vorläufer des Rohr- und Rübenzuckers.

Der Mittelmeerhandel der Antike basierte im wesentlichen auf den drei ältesten Kulturpflanzen und ihren Erzeugnissen: Weintrauben, Wein, Traubensirup, Rosinen und Korinthen sowie Weizen und Oliven und deren Öl. Jeder neuen Landnahme durch Menschen, ob Phönizier, Etrusker, Griechen oder Römer, folgten Rebe und Wein. Nichts wirkte auf die Völker so zivilisierend wie eigene Weinberge, die die Sesshaftigkeit förderten und ständige Pflege verlangten. Der Wein wurde darüber hinaus zum mitbestimmenden Element beim Wachsen einer festgefügten Gesellschaft. Bei den intensiven Kulturmaßnahmen, wie dem schon den Kelten und Römern vertrauten Selektionieren der Reben, wuchs die Sortenzahl überaus schnell. Aber letztendlich hat sich nicht einmal ein Zehntel davon als wirtschaftlich anbauwürdig erwiesen. Die Völkerwanderung im Zuge des Zusammenbruchs des römischen Reiches hatte den größten, freilich nur vorübergehenden Niedergang des Weinbaus zur Folge.
Das große Weinerbe der Römer übernahmen später für mehr als ein Jahrtausend die Kirchen mit ihren Klöstern und Orden, vor allem den Zisterziensern und Benediktinern, aber auch weltliche Fürsten, wie Karl der Große, waren eifrige Förderer des Weinbaus.

Im Mittelalter glich Deutschland vom Süden bis nach Ostpreußen einem großen Weingarten. Seine größte Ausdehnung erreichte er im 16. Jahrhundert mit schätzungsweise 350.000 Hektar. Der Dreißigjährige Krieg, die Französische Revolution, die Auflösung der Klöster, die Einführung billiger und gefälligerer Weine aus Südeuropa, die Konkurrenz durch neue Getränke, wie Kaffee, Tee und Kakao, eingeschleppte Rebkrankheiten und Rebschädlinge, wie Echter und Falscher Mehltau sowie die Reblaus, drängten die Weinrebe in den letzen beiden Jahrhunderten auf die für den Weinbau geeignetesten Lagen zurück.